„Betroffene zu Beteiligten machen – Hand in Hand für den Bergwald von morgen“

Informationen zur Bergwaldoffensive im oberen Allgäu

Der Alpenraum - so auch der Landkreis Oberallgäu - ist vom Klimawandel sehr stark betroffen. Damit ändern sich auch die Wuchsbedingungen der Bergwälder in dieser Region auf drastische Weise. Die Gefahr von Naturkatastrophen nimmt zu. Die Bedeutung des Bergwaldes als ein nach-haltig wirksames „Schutzschild“ steigt. Ohne aktive Maßnahmen wird der Bergwald die für die Menschen (Einheimische und Gäste) lebenswichtigen Schutzfunktionen auf Dauer nicht erfüllen können. Deshalb muss der Bergwald schon heute an die Wuchsbedingungen von morgen angepasst werden. Hierbei kommt es insbesondere auf Stabilität, Vitalität und die Baumartenzusammenset-zung dieser Wälder an.

Diesem Umstand trägt die Bayerische Staatsregierung mit dem Klimaprogramm 2020 Rechnung. Das Programm bildet den Rahmen für die im Jahr 2008 als forstliches Sonderprogramm ins Leben gerufene Bergwaldoffensive (BWO). Erklärtes Ziel der BWO ist es, den Bergwald nachhaltig zu stabilisieren und auf die zukünftigen Wuchsbedingungen vorzubereiten. Dies geschieht nach dem Motto: Vorsorgen ist besser als heilen! Laufende Pflegemaßnahmen in den Wäldern sollen dazu beitragen die kostenintensiven Maßnahmen der Schutzwaldsanierung, wie teure Pflanzungen und Lawinenverbauungen zu reduzieren oder gar zu vermeiden. Für die Jahre 2008 bis 2013 wurden in Bayern Mittel in Höhe von 11 Mio. € für die BWO bereitgestellt. Aktuell ist die Bergwaldoffensi-ve für weitere zwei Jahre, also bis Ende 2016, bewilligt.

Um das Ziel eines stabilen und vitalen Bergmischwaldes zu erreichen, sind vor allem konkrete forstliche Maßnahmen nötig. Diese sind für den einzelnen Waldbesitzer sehr oft auf Grund schwie-riger Geländeeigenschaften und Besitzstrukturen, unklarer Grenzverläufe und schlechter Erschlie-ßung sehr teuer, nicht kostendeckend oder überhaupt nicht durchführbar. Über die BWO können nun viele dieser Maßnahmen durchgeführt und deren Kosten getragen werden. 

Neben dem finanziellen Aspekt spielt die Netzwerk- und Kommunikationsarbeit bei der BWO eine wichtige Rolle. Ziel ist es, alle Interessensgruppen, angefangen bei den Waldbesitzern, der Jäger-schaft, den Alpbauern, anderen Fachverwaltungen über den Naturschutz bis hin zu den Kommu-nen, Medien und Tourismusverbänden in den Prozess einzubinden. Vor diesem Hintergrund wurde auch der sogenannte „Beirat“ der BWO gegründet. Der „Beirat“, dem der Landrat des Landkreises Oberallgäu Anton Klotz vorsteht, bringt die gesellschaftlichen Interessen ein, agiert aber auch bera-tend gegenüber der Forstverwaltung, Förstern und Projektleitern. Er ist das höchste Gremium der BWO im Allgäu.

Die erste Aufgabe zu Beginn der BWO im Jahr 2008 bestand darin, in Zusammenarbeit mit den forstlichen Zusammenschlüssen, der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu und der Waldbe-sitzervereinigung Westallgäu, potentielle Arbeitsbereiche, die Projektgebiete auszuwählen. Schluss-endlich wurden vierzig potentielle Projektgebiete identifiziert. Davon wurden 2008 zunächst 8 Pro-jektgebiete und in einem zweiten Schritt 2013, weitere 3 „aktiviert“:

Rottachberg, Grünten, Sonnenköpfe (im Osten des oberen Illertales), Hirschberg (oberhalb Bad Hindelang), Hintersteiner Tal, Anatswald-Leiterberg (südlich von Oberstdorf), Blaichach, Immenstädter Horn/Steigbachtal, Balderschwang, Salmersberg (bei Weiler) und Scheidegg, so heißen diese Projektgebiete. Die Größe dieser Gebiete variiert zwischen 300 ha  und 2.500 ha.  Zusammen umfassen sie eine Fläche von ca. 13.500 ha.

Auf der Basis eines eigens entwickelten Maßnahmenkataloges werden in diesen Projektgebieten seit 2008 verschiedenste forstliche Maßnahmen durchgeführt.

Die Maßnahmen können unter folgenden Kategorien zusammengefasst werden:

- Besitzübergreifende Maßnahmenplanung,

- Erschließung (Neu-, Ausbau oder Instandsetzung von LKW-fahrbaren Wegen und von Rücke-wegen),

- Waldbau (bergwaldspezifische Pflegeeingriffe, Fördern der Naturverjüngung),

- Pflanzung (Begründen von neuem Bergmischwald oder Wiederaufforstung),

- Bringung (bei schwierigen Geländeverhältnissen),

- Zaunbau (Errichten von Weiserzäunen),

- Schutzwaldsanierung (Maßnahmen der Fachstelle Schutzwaldmanagement),

- Begleitmaßnahmen (Erstellen von geologischen Gutachten, Lebensraum- und Jagdkonzepten, Grenzfeststellungen, Mediation, Öffentlichkeitsarbeit etc.).

Die Arbeitsschwerpunkte variieren in den einzelnen Projektgebieten nach den vorhandenen Rah-menbedingungen, der forstlichen Notwendigkeit und Nachfrage bzw. der Bereitschaft der Be-troffenen/beteiligten Waldbesitzer. 

Für jedes Projektgebiet wird zu Beginn ein Bedarfs- oder Rahmenplan erstellt und mit den soge-nannten „Runden Tischen“ vor Ort abgestimmt. An den „Runden Tischen“, die es in jedem Pro-jektgebiet gibt, sitzen die Vertreter der wichtigsten Interessensgruppen vor Ort: Waldbesitzer, Jä-ger, Tourismus, Alpwirtschaft, Freizeitnutzer, Behörden, Gemeinden etc. Die „Runden Tische“ sind zentraler Bestandteil der BWO und neben den finanziellen Investitionen entscheidend für ihren Er-folg. 

Die BWO erfuhr im Allgäu bislang eine gute Resonanz. Bis Ende 2013 wurden hier ca. 780 Maß-nahmen mit einem Investitionsvolumen von rund 3 Mio. € umgesetzt (von der Jungbestandspflege bis zum Jagdkonzept). Zusätzlich wurde knapp 1,0 Mio. € aus den Förderprogrammen WALDFÖPR und FORSTWEGR in den Projektgebieten der BWO generiert.

Ein wichtiger Aspekt im Hintergrund ist das große Interesse der Waldbesitzer und der Öffentlich-keit an der BWO. Es zeigt, dass der Wunsch nach einem innovativen und präventiven Zukunfts-programm für den Bergwald besteht. Dies belegen auch die teilweise drängenden Anfragen zur Aufnahme neuer Projektgebiete in die BWO.

Auf unserer Homepage (www.bergwald-offensive.de) und mit unserem „Bergwald - Kurier“ in-formieren wir neben vielfältigen anderen Aktionen laufend über den Fortgang des BWO-Programms.

Dass die BWO am AELF Kempten auch über dessen Grenzen hinaus Beachtung findet, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung des Kemptener „BWO-Kommunikationskonzeptes“ mit dem Internatio-nalen Alpinen Schutzwaldpreis im Jahr 2009.

Projektbüro Bergwaldoffensive am AELF Kempten

Kempten, im Juli 2014

Kontakt

Markt Bad Hindelang
Marktstraße 9
87541 Bad Hindelang

Telefon: +49 8324 892 200
Telefax: +49 8324 892 1200
E-Mail: rathaus‎@‎badhindelang.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 08.30 Uhr bis 12.00 Uhr
Donnerstag 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr

loading
Wird geladen - bitte einen kleinen Moment Geduld